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DGUV Vorschrift 2 nach Branche: Was gilt für Handel, Pflege, Metall und mehr?

Die DGUV Vorschrift 2 gilt für alle Branchen, aber was zur Grundbetreuung gehört und was zur betriebsspezifischen Betreuung, unterscheidet sich je nach Branche und Berufsgenossenschaft erheblich. Dieser Überblick zeigt, was für die wichtigsten Branchen typischerweise gilt.

Arbeitsschutz ist nicht gleich Arbeitsschutz. Was in einer Verwaltung Standard ist, kann in einer Metallwerkstatt oder einem Pflegeheim nur ein kleiner Bruchteil dessen sein, was tatsächlich gebraucht wird. Die neue DGUV Vorschrift 2 trägt dem Rechnung. Sie unterscheidet zwischen Grundbetreuung für alle und betriebsspezifischer Betreuung für besondere Gefährdungen.

Die konkrete Ausgestaltung dieser Unterscheidung hängt stark von der jeweiligen Berufsgenossenschaft (BG) ab. Jede BG hat für ihre Mitgliedsbetriebe typische Gefährdungsprofile definiert und damit auch typische Muster, was zur Grundbetreuung gehört und was darüber hinaus geht. Im Folgenden finden Sie einen Überblick für die wichtigsten Branchen.

Verwaltung, Banken, Versicherungen (VBG)

Typische Grundbetreuungsthemen:
  • Gefährdungsbeurteilung für Büro- und Bildschirmarbeitsplätze
  • Arbeitsplatzgestaltung (Licht, Klima, Verkehrswege, Fluchtwege)
  • Standard-Unterweisungen zu Erste Hilfe, Brandschutz und Bildschirmarbeit
  • Einfache psychische Gefährdungsbeurteilung für typische Verwaltungstätigkeiten
Typische betriebsspezifische Themen:
  • Hausmeister und Haustechnik mit besonderen Gefährdungen (Dacharbeiten, enge Räume, technische Anlagen)
  • Internes Lager oder Werkstatt mit relevanten Risiken
  • Bereiche mit hoher psychischer Belastung, zum Beispiel Callcenter, Beschwerdehotlines oder Sicherheitsdienste
  • Alleinarbeit (Empfang, Nacht- oder Wachdienst, Kontrollgänge)
  • Reinigungsbereiche mit Biostoffrisiko (z. B. Sanitärräume mit erhöhtem Infektionsrisiko)

Handel, Lager, Logistik (BGHW)

Typische Grundbetreuungsthemen:
  • Gefährdungsbeurteilung für Standardlager (Regale, einfache Flurförderzeuge, Kommissionierung)
  • Grundlegende Lastenhandhabung und Lärmbewertung
  • Einfache Gefahrstoffe (Standard-Reiniger, Schmierstoffe)
  • Begehungen von Verkaufsräumen, Grundthemen Stolper- und Sturzgefahren
Typische betriebsspezifische Themen:
  • Gefahrgut- und Chemielager mit erhöhtem Risiko
  • Automatisierte Hochregal- und Shuttlesysteme mit komplexer Lagertechnik
  • Dauerhaft hohe Lastenhandhabung und ergonomisch ungünstige Bedingungen
  • Ausgeprägte Lärmbereiche (z. B. Sorter, Packlinien)
  • Hochgetaktete Logistikzentren mit hohem Zeitdruck und psychischer Belastung
  • Schicht- und Nachtlogistik mit besonderer Arbeitszeitbelastung

Gastronomie, Bäckerei, Lebensmittel (BGN)

Typische Grundbetreuungsthemen:
  • Gefährdungsbeurteilung für typische Produktionsprozesse (Backen, Schneiden, Verpacken)
  • Grundlegende Hygienemaßnahmen und Unterweisungen (Lebensmittelhygiene, Reinigung)
  • Typische Maschinen (Knetmaschinen, Öfen, Schneidemaschinen) in Basistiefe
  • Standard-Reinigungsmittel, übliche Lasten, Lärm im kleinen Rahmen
Typische betriebsspezifische Themen:
  • Biostoffe (rohes Fleisch, unverpackte Lebensmittel, Hygienerisiken)
  • Erhöhte thermische Belastungen (Hitze, Kälte), Feuchtigkeit und Aerosole
  • Intensive oder riskante Reinigungschemie und Desinfektionsmittel
  • Dauerhaft hohe Lastenbelastung (Mehlsäcke, Getränkekisten, enge Wege)
  • Psychische Belastung durch Stoßzeiten, Personalmangel und Konflikte
  • Schicht-, Nacht- und Wochenendarbeit

Metall, Holz, Werkstätten (BGHM)

Typische Grundbetreuungsthemen:
  • Gefährdungsbeurteilung für gängige Maschinen (Drehen, Fräsen, Schleifen, Sägen)
  • Grundlegende Lärm- und Lastenbeurteilung
  • Standard-Betriebsanweisungen für typische Maschinen
  • Büro- und Verwaltungstätigkeiten im Werk
Typische betriebsspezifische Themen:
  • Gefahrstoffe mit erhöhtem Anspruch (Lacke, Lösemittel, CMR-Stoffe, Schweißrauche)
  • Explosionsgefährdungen (z. B. durch Holzstaub oder brennbare Stäube)
  • Komplexe oder automatisierte Anlagen, Roboter und verkettete Linien
  • Ausgeprägte Lärmbereiche mit Grenzwertnähe
  • Arbeiten in engen Räumen, Behältern oder auf Dächern
  • Hohe Vibrationsbelastung durch handgeführte Werkzeuge

Elektro, Energie, Medien (BGETEM)

Typische Grundbetreuungsthemen:
  • Gefährdungsbeurteilung für Elektroarbeiten im Gebäude ohne besondere Spannungslagen
  • Übliche Textil- und Druckmaschinen in Basistiefe
  • Grundunterweisungen zu Arbeiten an elektrischen Anlagen
  • Einfache Gefahrstoffe im üblichen Rahmen
Typische betriebsspezifische Themen:
  • Arbeiten unter Spannung oder in Hochspannungsanlagen
  • Regelmäßige Arbeiten auf Dächern (z. B. PV-Anlagen), in Schächten oder engen Räumen
  • Komplexe Lösemittel- und Farbsysteme in Tiefdruck oder Textilveredelung
  • Hoher Anteil Außendienst und Alleinarbeit mit besonderer Belastung
  • Psychische Belastung durch Rufbereitschaften, Störungsdienst und hohe Verantwortung

Chemie, Glas, Baustoffe (BG RCI)

Typische Grundbetreuungsthemen:
  • Gefährdungsbeurteilung für Elektroarbeiten im Gebäude ohne besondere Spannungslagen
  • Übliche Textil- und Druckmaschinen in Basistiefe
  • Grundunterweisungen zu Arbeiten an elektrischen Anlagen
  • Einfache Gefahrstoffe im üblichen Rahmen
Typische betriebsspezifische Themen:
  • Komplexe Gefahrstofflagen (CMR-Stoffe, toxische Stoffe, große Mengen, Ex-Zonen)
  • Explosionsgefährdungen mit laufender Pflege des Explosionsschutzkonzepts
  • Komplexe oder kontinuierlich arbeitende Anlagen mit hohem Automatisierungsgrad
  • Biostoffe in Abwasserbereichen oder biotechnischen Prozessen
  • Hohe prozessuale Verantwortung (Leitstände, Havarierisiko) mit psychischer Belastung
  • Schicht- und Wechselschichtsysteme, oft im 24/7-Betrieb

Gesundheitsdienst, Pflege, soziale Einrichtungen (BGW)

Typische Grundbetreuungsthemen:
  • Gefährdungsbeurteilung für Pflege- und Betreuungstätigkeiten in Basistiefe
  • Standard-Hygiene- und Desinfektionsbetriebsanweisungen
  • Grundbewertung von Biostoffen und Lastenhandhabung in der Pflege
  • Begehungen mit Fokus auf Stolper- und Sturzgefahren sowie Fluchtwege
Typische betriebsspezifische Themen:
  • Hochrisiko-Biostoffbereiche (Isolierstation, OP, Intensivbereiche, Dialyse)
  • Spezielle Gefahrstoffe wie Zytostatika oder besondere Desinfektionsmittel
  • Ausgeprägte psychische Belastung in Hochbelastungsbereichen (Intensiv, Notaufnahme, Palliativ)
  • Gewalt- und Übergriffsszenarien durch Bewohner, Patienten oder Angehörige
  • Körperlich belastende Hebe- und Transfersituationen mit laufender ergonomischer Bewertung

Hinweis: Die BG Bau veröffentlicht ihre angepasste DGUV Vorschrift 2 erst im Laufe des Jahres 2026. Sobald die neue Fassung vorliegt, werden wir diesen Artikel entsprechend ergänzen.

Was bedeutet das für Ihren Betrieb konkret?

Die Zuordnung zu Grundbetreuung oder betriebsspezifischer Betreuung ist keine pauschale Entscheidung, sie hängt immer von der konkreten Situation in Ihrem Betrieb ab. Ein Büro kann betriebsspezifische Betreuung brauchen, wenn ein Hausmeister auf dem Dach arbeitet. Eine Bäckerei mit rein standardisierten Prozessen hat möglicherweise weniger Bedarf als eine mit umfangreicher Chemielagerung.

Genau deshalb erfolgt die Ermittlung bei uns immer individuell und über einen strukturierten Fragekatalog, der Ihre konkrete Situation erfasst und in einen DGUV-V2-konformen Betreuungsplan überführt.

Häufig gestellte Fragen

Die Pflicht zur Grundbetreuung und zur betriebsspezifischen Betreuung gilt für alle Branchen. Was konkret dazu gehört, unterscheidet sich jedoch erheblich je nach Berufsgenossenschaft, Branche und den tatsächlichen Gefährdungen im Betrieb.

Jede Berufsgenossenschaft hat für ihre Mitgliedsbetriebe typische Gefährdungsprofile definiert. Diese bilden die Grundlage dafür, was zur Grundbetreuung gehört und was als betriebsspezifische Betreuung zusätzlich erforderlich ist. Ein erfahrener Sifa-Dienstleister kennt diese BG-spezifischen Unterschiede.

Ja, die Berufsgenossenschaft richtet sich nach dem Wirtschaftszweig Ihres Betriebs und ist der zentrale Ansprechpartner für alle Fragen rund um Arbeitsunfälle und Arbeitsschutzpflichten. Wenn Sie unsicher sind, welcher BG Sie angehören, helfen wir Ihnen gerne dabei, das zu klären.

Manche Betriebe haben Tätigkeitsbereiche, die verschiedenen Gefährdungsprofilen entsprechen, zum Beispiel ein Verwaltungsbetrieb mit eigenem Lager oder einer Werkstatt. In solchen Fällen wird die betriebsspezifische Betreuung für jeden relevanten Bereich separat ermittelt und im Betreuungsplan abgebildet.

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Über Mathias

Als Head of BECKER:GRUPPE verantwortet Mathias Becker die strategische Ausrichtung und Weiterentwicklung der gesamten Unternehmensgruppe und bringt dabei seine operative Expertise direkt ein: als externer VEFK, Dozent für Schaltberechtigung bis 36 kV und Arbeiten unter Spannung sowie als erfahrener Sifa-Experte für mittelständische, Industrie- und Pharma-Unternehmen.

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